Multiple Sklerose

Definition

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche, schubweise verlaufende Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), vornehmlich des Gehirns und des Rückenmarks.
MS wird als Autoimmunkrankheit verstanden, bei der sich die körpereigene Abwehr gegen die Schutzhüllen (Myelinscheiden) der Nervenfasern richtet. Dadurch kommt es zu einer entzündlich-degenerativer Zerstörung (Demyelinisierung) des zentralen Nervensystems. Das führt zu einer veränderten Erregungsleitung, die die Leitfähigkeit der Nervenzellen reduziert. Diese Störung äußert sich vornehmlich in einer Einschränkung der Sensibilität und Lähmung.
Im Verlauf dieser Erkrankung entsteht eine über das gesamte zentrale Nervensystem verteilte („multiplen“), fleck- bzw. herdförmige Sklerosierung. D.h. es kommt zu durch Narben verhärtetem Bindegewebe unterschiedlicher Größe („Multiple Sklerose“).
Betroffen sind meist junge Menschen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. In der Regel beginnt sie bei Frauen etwas früher als bei Männern. In sehr seltenen Fällen kann MS bereits vor dem 10. Lebensjahr auftreten. Auch sind Erkrankungen im höheren Lebensalter – ab etwa dem 60. Lebensjahr – zwar selten, aber dennoch möglich. Frauen sind etwa 2- bis 3-mal häufiger betroffen als Männer. In etwas 15 % der Krankheitsfälle lassen sich familiäre Häufungen feststellen.
 
Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit etwa 2,5 Millionen Menschen an MS erkrankt sind. In Mitteleuropa ist MS, neben der Epilepsie, die häufigste entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems.
Der Verlauf ist äußerst unterschiedlich. Zwischen guten Verläufen, mit über Jahrzehnten kaum erkennbaren Symptomen und einer fortschreitenden, hochakuten Verschlechterung, bis hin zur vollständigen Invalidität oder sogar zum Tod innerhalb weniger Jahre, sind alle Ausprägungen möglich.

Symptome

Die Erkrankung beginnt hochakut oder schleichend mit kaum wahrnehmbaren Symptomen. In der Mehrzahl der Fälle kommt es zu Beginn zu einer Schwäche der Extremitäten, die zunächst unter Belastung auffällig wird. Die nachfolgende muskuläre Spastik entsteht überwiegend an den Beinen. Sie kann spontan oder im Rahmen von Bewegungen auftreten. Sensible Störungen können sich neben den üblichen Missempfindungen der Nerven (Kribbeln, Ameisenlaufen) auch in brennenden Schmerzen oder in einem Taubheits- bzw. “Absterbegefühl” äußern.
Zu den typischen Symptomen bei Krankheitsbeginn von MS kommt es u.a. zu Sehstörungen (Verschwommen sehen, mangelnde Farberkennung, Doppelbilder), Sensibilitätsstörungen, Ungeschicklichkeit (Ataxie) und motorischen Störungen bis hin zu Lähmungen. Im weiteren Verlauf gehören spastische Lähmungen, rasche Ermüdbarkeit, Blasenfunktionsstörungen, Tremor sowie Schwindel zum Krankheitsbild.
Begleitend können psychische Symptome wie Depressivität und emotionale Labilität auftreten.
Die Symptome treten beim schubförmigen Verlauf in akuten Phasen auf. Mit Abklingen der Entzündung verschwinden meistens auch die Symptome wieder.

Ursachen

Autoimmunerkrankungen liegt eine Fehlsteuerung des Immunsystems zugrunde, bei denen die Regulationsmechanismen versagt. Dabei richtet sich das Immunsystem gegen körpereigenes Gewebe. Es wird vermutet, dass ein infektiöser Erreger (Virus oder Bakterium) in Teilen seiner Oberflächenantigene mit einem körpereigenen Antigen kreuzreagiert. Das führt zu Verwechslungen des Immunsystems.

Bei der MS werden Antigene der nervalen Myelinscheiden (eine fetthaltige Umhüllung der Nervenfasern, die der elektrischen Isolierung der Nervenzellen dient) vom Immunsystem verwechselt und angegriffen, sodass es hier zu entzündlichen Veränderungen kommt.
Durch die Zerstörung dieser Myelinscheiden und durch die von der Entzündung verursachten Schwellungen wird die Leitfähigkeit der Nervenzellen reduziert. Botschaften können dann nicht mehr wirkungsvoll übertragen werden.
 
Bei einem Nachlassen der entzündlichen Aktivitäten ist eine teilweise Remyelinisierung möglich, wodurch sich die Symptomatik bessern kann. In den Bereichen, in denen der Fortsatz einer Nervenzellen (Axon) zerstört ist, vernarben diese. Hier ist eine Rückbildung entstandener Symptome ausgeschlossen.

Natürliche Mittel und deren Wirkung

Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren spielen eine wesentliche Rolle bei Entzündungsprozessen im Körper. Aus der Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure entstehen verschiedene entzündungsfördernde Botenstoffe. Ein grundlegender Gedanke hierbei ist, durch Bevorzugung oder Meidung bestimmter Nahrungsmittel das Fettsäurespektrum der aufgenommenen Fette zu verändern. Ernährungsempfehlungen für MS-Patienten beruhen daher auf dem Grundgedanken, arachidon- und linolsäurereiche Nahrungsmittel zu reduzieren. Diese mehrfach ungesättigten Omega-6-Fettsäuren nehmen eine zentrale Stellung im Entzündungsgeschehen ein und sind Ausgangssubstanz vieler entzündungsfördernder Botenstoffe im Körper. Arachidonsäure findet sich in den meisten tierischen Nahrungsmitteln wie Fleisch, Wurst, fetten Milchprodukten wie Käse, Sahne und Butter sowie in Eiern. Aber auch Omega-6-haltige Pflanzenöle, wie Sonnenblumen- oder Distelöl, enthalten hauptsächlich Linolsäure und bilden die Ausgangssubstanz zur Synthese von Arachidonsäure im Körper.

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren

Wichtig ist hingegen eine vermehrte Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren. Diese mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind auch Bestandteil der Myelinschichten der Nervenfasern. Insbesondere die ungesättigte Fettsäure DHA bildet einen wichtigen Grundbaustein der Zellmembran und ist beteiligt am Aufbau von Nervengewebe.
Die Omega-3-Fettsäure EPA spielt ebenfalls eine ganz entscheidende Rolle. Sie dient als Basis für die Herstellung von sogenannten Eicosanoiden. Diese hormonähnlichen Substanzen sind für die Steuerung unzähliger Funktionen im Körper zuständig. Sie haben u.a. die Fähigkeit das Immunsystem zu regulieren und zu einer Verminderung von Entzündungen beizutragen.

Eine langfristige und ausreichende Zufuhr von EPA und DHA kann demnach helfen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Rückfallquote zu reduzieren.

Als ideale Lieferanten von gesunden Fettsäuren bieten sich vor allem hochwertige, natürliche, schonend gepresste Öle an. Hier findet sich eine Vielzahl von gesunden Fettsäuren, die in ihrer speziellen Kombination eingenommen eine positive Wirkung auf das Krankheitsbild der MS und deren Folgen entfalten können. Dr. Johanna Budwig sagte 1979 schon in der Fettfibel:

“Diese elektromotorische Kraft aus den [...] hochungesättigten Fettsäuren, biologisch gelenkt durch die Begleitstoffe der Öle in Vollölen, ist für den Menschen erforderlich für die gesamte Membranfunktion.” “Diese Vollöle [...] sind heute für die biologische Existenz, für das Mensch-Sein unerlässlich.”

Dr. Johanna Budwig hat zu Lebzeiten darauf hingewiesen, dass ihr kein Öl bekannt ist, das die gleiche förderliche Wirkung für die Gesundheit erreicht, wie das Leinöl. Dafür hat sie strenge Qualitätsmaßstäbe für die Gewinnung des Leinöls festgelegt. Es ist unbedingt darauf zu achten, den Elektronenreichtum des Leinöls und damit seine intensive Wirkung für den menschlichen Organismus zu bewahren.
Heute wissen wir, dass es noch eine Vielzahl weiterer wichtiger Fettsäuren aus natürlichen Vollölen gibt, die in Kombinationen für die Gesundheit unserer Zellen bei bestimmten Krankheitsbildern unerlässlich sind. Nur so kann die Grundregulation und damit der Zellgesundheit des Körpers erreicht werden. Durch die Wiederherstellung der Zellgesundheit können weitere, auf das Krankheitsbild abgestimmte Wirkstoffe, größtmöglichen Nutzen erzielen.

Der MS-Patient profitiert durch die spezielle Kombination von Alpha-Linolen- und der Stearidonsäure mit ihrer zellaufbauenden Wirkung. Gleichzeitig ist die Gabe von DHA für die Unterstützung der Nervenzellen, abgerundet durch Gamma-Linolensäure für die Entzündungshemmung wichtig. Auch auf die Zufuhr von natürlichen Antioxidantien wie Betacarotinen und Tocotrienolen sollte unbedingt Wert gelegt werden.

Alpha-Linolensäure (ALA)

Die ALA ist maßgeblich beteiligt am Aufbau der Zellmembranen. So stellt die im Leinöl reich enthaltene ALA einen wichtigen Baustein der Nervenzellen dar. Sie ist die Grundlage für die Fluidität, Flexibilität und Aktivität der Zellmembranen.
Zu den Lieferanten mit dem höchsten ALA-Gehalt zählt in erster Linie das Leinöl. Dr. Johanna Budwig hat stets darauf hingewiesen, dass ihr kein Öl bekannt war, das für den menschlichen Organismus die gleiche intensive Wirkung erreichte, wie das Leinöl. Gerade deswegen hat sie große Qualitätsansprüche an die Gewinnung des Leinöls gestellt.

Auch Hanföl kann mit einem signifikanten ALA-Gehalt aufwarten. Außerdem enthält Hanföl die wertvolle Stearidonsäure. Aus ihr, aber auch aus der ALA, kann der Körper in gewissem Maße weitere Omega-3-Fettsäuren, wie die EPA und die DHA, synthetisieren. Doch die Umwandlung von DHA aus ALA und Stearidonsäure erfolgt unter Umständen nur in geringem Maße. Daher sollte eine Substitution über die tägliche Ernährung erfolgen. Hier bietet sich als pflanzliche, unbelastete Quelle DHA-haltiges Algenöl an.

Docosahexaensäure (DHA)

DHA bildet einen wichtigen Grundbaustein der Zellmembranen, besonders der Nerven- und Gehirnzellen. Eine ausreichende Versorgung mit DHA ist die Grundvoraussetzung für die Kommunikation der Nervenzellen untereinander. Aus der DHA kann der Körper außerdem bestimmte Gewebshormone bilden, die Entzündungsreaktionen im Körper steuern.

Gamma-Linolensäure (GLA)

Ein weiterer starker Partner gegen Entzündungsreaktionen ist die Gamma-Linolensäure. Die GLA ist eine Omega-6-Fettsäure und kommt in signifikanter Menge in der Natur im Borretschsamenöl vor. Diese besondere Fettsäure schützt durch ihre entzündungshemmende Wirkung insbesondere das Nervensystem des MS-Patienten.

Ernährung & Co.

Tatsächlich tritt die Multiple Sklerose geographisch gesehen mit sehr unterschiedlicher Häufigkeit auf. In hoch industrialisierten Ländern erkrankt ca. einer von 1.000 Menschen. In weniger entwickelten Regionen der Welt, in denen sich die Bevölkerung noch natürlich ernährt, ist die Krankheit extrem selten. Das stützt die Vermutung, dass die Ernährung einen Einfluss auf das Krankheitsgeschehen der MS hat.
Eine ausgewogene, vollwertige Ernährung kann das Krankheitsgeschehen durchaus positiv beeinflussen. Die Unterstützung körpereigener Kräfte, eine Verbesserung der Stoffwechselverhältnisse und eine Stabilisierung des Immunsystems sind wichtige Ziele der Ernährungsumstellung. MS-Patienten sollten eine an Gemüsen und Früchten reiche Ernährung bevorzugen. Schnell verfügbare Kohlenhydrate und Fleisch sollten daher weniger verzehrt werden. Dadurch können entzündliche und oxidationsfördernde Prozesse vermindert werden. Eine vorwiegend lakto-vegetabile Ernährung mindert den Anstieg an entzündungsauslösender Stoffe im Körper.

Pflegen Sie Ihren Darm!
Ob die Lebensmittel, die wir täglich zu uns nehmen, tatsächlich unseren Zellen zugute kommen, hängt maßgeblich von unserer Darmgesundheit ab. Entscheidend ist die Fähigkeit unseres Darmes, die Nährstoffe, die wir verzehren, auch aufnehmen zu können. Dr. Johanna Budwig hat daher zur Pflege des Darms und der Darmflora den täglichen Verzehr frischen Sauerkrautsaftes oder Sauermilch empfohlen. Auch der regelmäßige Genuss von Ballaststoffen spielt eine wichtige Rolle zum Erhalt der Darmfunktion. Fester Bestandteil der täglichen Ernährung sollte daher auch der Verzehr von 1-2 EL geschroteter und geschützter Leinsaat, eingerührt in die Budwig Creme, aus Quark und Leinöl zubereitet, oder in einen Muttersaft wie Fermentgold, sein.

Besonders wichtig ist es insbesondere, einen bestehenden Mangel an gesunden, mehrfach ungesättigten Fettsäuren auszugleichen. Gleichzeitig sollten ungünstige Fette wie Transfettsäuren, aber auch ein Übermaß an Omega-6-Fettsäuren gemieden werden. Dabei ist es wichtig, die Aufnahme der gesunden Fettsäuren wie die ALA, die DHA, die GLA etc. in eine abwechslungsreiche, ausgewogene, lacto-vegetabile Vollwerternährung zu integrieren. Vor allem sollte bei der Auswahl der Fettsäurelieferanten größten Wert auf deren Qualität geachtet werden. Nur so, darauf wies Dr. Johanna Budwig immer wieder hin, kommen die Zellen in den Vorzug des vollen Elektronenreichtums der Öle. Es muss größten Wert auf die Auswahl der Saat, die Saatfolge, die Pressung und die Weiterverarbeitung gelegt werden. Deshalb hat Dr. Johanna Budwig Qualitätsmaßstäbe definiert, verfasst und niedergeschrieben. Für die Pressung des Öls entwickelte sie ein überaus schonendes Verfahren, das heute unter dem Namen “Original Dr. Budwig Pressverfahren” Anwendung findet.

Menschen, die an MS erkrankt sind, sollten sich streng an den Vorgaben im Sinne der Öl-Eiweiß-Kost orientieren.

Sanfter Einstieg
Um den Einstieg in die Öl-Eiweiß-Kost zu erleichtern, sollten so genannte “Überleitungstage” vorgeschaltet werden. Sie entlasten den Verdauungstrakt und bereiten den Körper auf die Umstellung der Ernährung vor. Während der 2 - 3 Überleitungstage werden 200 - 250 g geschroteter Leinsaat mit Fermentgold oder frisch gepressten Säften vermischt und über den Tag verteilt verzehrt.

Mangel ausgleichen
Im Falle einer Erkrankung muss ein bestehender Mangel, besonders an den essentiellen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren ausgeglichen werden. Dabei ist es wichtig, die Aufnahme der gesunden Fettsäuren in eine abwechslungsreiche, ausgewogene lacto-vegetabile Vollwerternährung zu integrieren. So, wie es Dr. Budwig in ihrem Konzept der Öl-Eiweiß-Kost vorgesehen hatte. Der Kranke sollte sich unbedingt an den Vorgaben im Sinne der Öl-Eiweiß-Kost orientieren. Nur so können die Zellen und damit der gesamte Mensch wieder in die alte Ordnung zurück finden und gesund werden.
Sollten Sie Fragen zur Durchführung der Öl-Eiweiß-Kost haben, rufen Sie am besten das Beratungstelefon der Dr. Budwig Stiftung an oder kontaktieren Sie einen erfahrenen Dr. Budwig Berater.

Dr. Budwig Berater/innen

Der Dr. Johanna Budwig Stiftung ist es ein Anliegen, Betroffenen zur Seite zu stehen. So können wir qualifizierte “Dr. Budwig Berater/innen” empfehlen, die in der Anwendung der Öl-Eiweiß-Kost ausgebildet sind. Zur Zeit arbeiten wir daran, ein entsprechendes bundesweites Netzwerk aufzubauen.


Wichtiger Hinweis: Dr. Johanna Budwig hatte keine Zweifel daran, mit ihrer Öl-Eiweiß-Kost Zivilisationskrankheiten therapieren zu können. Die Dr. Johanna Budwig Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Arbeiten durch intensiv geprüfte wissenschaftliche Erkenntnisse zu ergänzen. Denn dieses Thema ist zu ernst für falsche Hoffnungen. Und so ist es uns sehr wichtig zu betonen: Zwar gibt es erste wissenschaftliche Belege dafür, dass die Öl-Eiweiß-Kost unter bestimmten Voraussetzungen eine medizinische Therapie positiv unterstützen kann, gleichwohl gilt: Sie ersetzt in keinem Fall eine medizinische Therapie. Wir distanzieren uns von allen falschen Wunderversprechen.